Die Glocken der Pauluskirche

Bei der Planung der Pauluskirche wurde natürlich auch an das Geläut im Turm gedacht. Den Auftrag für die Fertigung eines dreiteiligen Geläutes, erhielt die Firma Schilling aus Apolda in Thüringen. Dieses erste Geläut bestand aus drei Bronzeglocken unterschiedlicher Größe, in den Tonlagen cis, dis und fis. Im Juli 1911 wurden die Glocken auf einem geschmückten Wagen angeliefert und anschließend im Kirchraum aufgestellt, um später in den Turm hinauf gezogen zu werden.

Die Glocken der Pauluskirche im Jahr 1917, im Hintergrund die Oberrealschule, das heutige Gauß-Gymnasium.

In diesem Zeitraum erschien der Spender der großen Glocke bei Pfarrer Schmidt. Es war Herr Heinrich Schulte-Bulmke, der ehemalige Besitzer des Hofes Schulte-Bulmke. Als sich dieser überzeugt hatte, dass die Glocke die zusätzliche Inschrift „Mich stiftete Heinrich Schulte-Bulmke“ trug, über gab er dem Pfarrer einen Scheck in Höhe von 3.200 Reichsmark zur Begleichung der Rechnung.

Die Glocken kamen nun in den Turm in einen stählernen Glockenstuhl und wurden von Elektromotoren angetrieben. Das Geläut erklang zum ersten Mal am Abend des 14. Dezember 1911, dem Vorabend des Einweihungstages.

Dieses schöne Geläut blieb der Gemeinde jedoch nicht lange erhalten. Im Juli des Jahres 1917 mussten die große und die mittlere Glocke als Kriegsspende hergegeben werden. Es blieb der Gemeinde nur die kleine Glocke, deren eintöniger Klang nun zu jeder Gelegenheit, sei es freudig oder traurig, durch Bulmke klang. 1921 war es dann soweit, die Pauluskirche bekam drei neue Glocken, welche aus Klangstahl bestehen und wiederum von der Firma Schilling gefertigt wurden.

Die große Glocke trägt folgende Inschrift:
Ehre sei Gott in der Höhe
und den Vers:
Aus Bronce wir mußten im Kriege vergehn
Aus Klangstahl wir täten auferstehn
Wir klingen den Deutschen in harter Zeit
Macht euch bereit für Zeit und Ewigkeit.

Die mittlere Glocke:
Wachet und Betet
und den Vers:
Ja,komm, Herr Jesu
Ja. Ich komme bald.

und die kleine Glocke:
Danket dem Herren!
und den Vers:
Gott giebt,unseren Leib zu wahren
seinen Sohn aus dem Thron seiner Macht und Ehren.


Am 16. September 1944 wurde die Pauluskirche von mehreren Brandbomben getroffen und Kirchenschiff und Turm brannten vollständig aus. Am folgenden Morgen standen nur noch die Außenmauern und der Turm. Die Turmhaube und der aufwendige Dachstuhl wurden vollständig von den Flammen aufgezehrt.

Es war ein grausiger Anblick, die einst so kunstvoll und prächtig ausgestattete Kirche nun so zu sehen. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Am 6. November 1944 wurde die ausgebrannte Ruine von Sprengbomben getroffen. In Folge dessen stürzten die Süd- und Ostfassade, sowie die Kellerdecke in sich zusammen. Dank der massiven Bauweise des Turmes und des stählernen Glockenstuhles erfuhren die Glocken trotz alldem keinen Schaden. Allerdings solten sie nun fast 10 Jahre schweigend im Turm der zerstörten Pauluskirche verharren.

Mit dem Wiederaufbau der Kirche tönte auch wieder ihr Klang durch Bulmke. Wenn uns heute die Gocken der Pauluskirche zum Gottesdienst rufen oder uns ein freudiges oder trauriges Ereignis verkünden, so sollen wir wissen, es sind noch dieselben Glocken aus dem Jahre 1921. Möge Ihr Klang uns noch lange erhalten bleiben! – [Andreas Janke, im Gemeindebrief horizonte, Ausgabe Sommer 2008]