Geschichte der Pauluskirche

Am 7. März 1902 wurde der Evangelische Kirchbauverein zu Bulmke gegründet. Bereits im selben Jahr kaufte dieser von Landwirt Wilms das Grundstück, an dem sich Kirche und Pfarrhaus später erheben sollten. Feierliche Grundsteinlegung für die Pauluskirche war dann am 9. Oktober 1910.

In 14 monatiger Arbeit entstand unter der Federführung des Architekten Arno Eugen Fritsche aus Elberfeld der trutzige, monumentale Baukörper der Pauluskirche zu Bulmke. Der nach Fertigstellung der Kirche aufgeschüttete Hügel, verstärkte den wuchtigen Eindruck der Kirche noch mehr. Hätte Luther sie so gesehen, wäre Ihm sein Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ wohl in den Sinn gekommen.

Tag der Einweihung war der 15. Dezember 1911. Am Abend zuvor klang erstmalig das Geläut durch Bulmke. Choralblasen vom Turm kündete am frühen Morgen die Bedeutung des Tages an. Die mit 1200 Sitzplätzen ausgestattete Kirche war zum bersten mit Menschen gefüllt. In den kommenden Jahren hatte die Gemeinde viel Freude an ihrer schönen Pauluskirche. Im Sommer 1917 wurden die mittlere und die große Glocke als Kriegsspende hergegeben, heißt es offiziell, doch in Wirklichkeit hatte die Gemeinde keine Wahl.

Nach dem Ende des I. Weltkriegs wurde der Ehrenraum für die gefallenen Gemeindeglieder eingerichtet. Die Gemeinde Bulmke hatte über 300 Tote zu beklagen. Das Gemeindeleben ging in den Folgejahren wieder seinen gewohnten Gang. Revolution, Änderung der politischen Situation und Inflation hinterließen zwar ihre Spuren, aber es ging immer weiter. 1932 wurde zum 25-Jährigen Gemeindejubiläum die Kirche und die Orgel renoviert. Mit dem 1. September 1939 begannen wieder unruhige Zeiten. Der II. Weltkrieg brachte der Pauluskirche viele kleine Beschädigungen bei und am Ende die vollkommende Zerstörung. Die erste große Zerstörung im Frühjahr 1943 konnte noch bis Weihnachten 1943 unter Aufbietung aller Mittel und Kräfte behoben werden.

Bei einem Großangriff am 16. September 1944 , der den Deutschen Eisenwerken galt treffen gegen 18 Uhr mehrere Brandbomben die Pauluskirche. Die brennende Kirche erhellte für Stunden die Nacht, bis alles Brennbare von den Flammen aufgezehrt war. Am nächsten Morgen standen sie da, die ausgebrannten, rußgeschwärzten Mauern der Pauluskirche. Die Gemeinde machte sich wieder daran unter Aufbietung aller möglichen Kräfte ihre Pauluskirche zu retten. Am 6. November 1944 gab es einen großflächigen Bombenangriff auf Gelsenkirchen. Dieser Tag brachte das Ende für die noch stehenden Reste der Pauluskirche. Die ausgebrannte Ruine war von Sprengbomben getroffen worden, darauf hin fielen die Süd- und Ostfassade in sich zusammen. Vom Pfarrhaus neben der Kirche war kein Stein mehr zu sehen. Nur der Kirchturm ragte trutzig aus den Schuttmassen empor.

Dieser Anblick des Schreckens, sollte den Bulmkern nun bis 1955 erhalten bleiben. Die Neubelebung des Kirchbauvereins 1952 war der Startschuss etwas Neues zu wagen. Mehrere Architekten machten Pläne zum Wiederaufbau der Pauluskirche. Am Ende setzte sich Otto Prinz mit seinen Entwürfen durch. Um die Grundlage zum Wiederaufbau zu schaffen wurde das Grundstück wurde enttrümmert. Vermessungen, Gutachten und weitere Abbrucharbeiten folgten, bevor am 18. Dezember 1955 der Grundstein gelegt wurde. Der vergeblich in den Schuttmassen gesuchte Grundstein von 1910 war bis zu diesem Zeitpunkt nicht aufgefunden worden.

Am 24. Juli 1956 wurde er aber doch noch bei Arbeiten im Keller aufgefunden, so dass auch er wieder einen Platz in der „neuen Pauluskirche“ fand. Der Wiederaufbau gestaltete sich teilweise schwieriger als erhofft. Dennoch war es dann am 23. Juni 1957 soweit. Zum Einweihungsgottesdienst der Pauluskirche strömten die Menschen in ihre neue Kirche. Nicht alle von ihnen fanden einen Platz in der Kirche. Viele erlebten den Gottesdienst auf dem Kirchvorplatz mit, andere wiederum hatten sich im Gymnasium nebenan eingefunden um einer Lautsprecherübertragung zu lauschen.

Bis zum heutigen Tag steht sie nun fast unverändert da. In der äußeren Gestalt nicht mehr der Monumentalbau von 1911, sondern der Schlichtheit der 1950er Jahre Respekt zollend, erhebt sie sich auf ihrem Hügel in der Mitte des Stadtteils Bulmke. Ihrer Gemeinde ist sie, wie schon den Generationen vor uns die geistige Heimat geblieben: Unsere Pauluskirche.

Autor: Andreas Janke